Franco Fagioli. Canzone e Cantate
Countertenor Franco Fagioli, ein Ausnahmesänger von seltener Bescheidenheit, war Händels Musik in all ihren Facetten gewachsen – den halsbrecherischen Koloraturen, die er kraftvoll und mühelos bis in die höchste Lage zu treiben vermag, aber auch in der abgrundtiefen Melancholie von ‚Scherza, infida‘, für die er seine Stimme in Trauerfarben einzuhüllen weiß. So schrieb Opernwelt im Frühjahr 2010 über Händels „Ariodante“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe mit dem argentinischen Countertenor Franco Fagioli in der Titelpartie. 1981 in San Miguel de Tucumán geboren, begann Fagioli zunächst ein Klavierstudium am Musikinstitut seiner Heimatstadt und studierte dann Gesang an der Kunstakademie des Teatro Colón in Buenos Aires. Bald entschied er sich für einen künstlerischen Werdegang als Countertenor. Der erste Preis beim renommierten Bertelsmann-Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“ 2003 markierte den Beginn seiner internationalen Karriere. Auf der CD „Canzone e Cantate“ zeigt Franco Fagioli die ganze Bandbreite seiner Ausdrucksmöglichkeiten: vom warmen, kantablen Mezzosopran über herzergreifende Schluchzer-Passagen bis hin zu akrobatischer Koloraturen-Kunst reicht sein außergewöhnliches stimmliches Spektrum. Begleitet wird er dabei von Luca Pianca, Marco Frezzato und Jörg Halubek, die bei den instrumentalen Zwischenteilen auch solistisch zu hören sind.
Inhaltsverzeichnis
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Vorwortverfasser*in
Dorothea Schröder
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Countertenor-Solo
Franco Fagioli
Franco Fagioli wurde 1981 in San Miguel de Tucumán (Argentinien) geboren. Er begann zunächst ein Klavierstudium am Musikinstitut seiner Heimatstadt und studierte dann Gesang an der Kunstakademie des Teatro Colón in Buenos Aires. 1997 gründete er den Chor von San Martín de Porres mit dem Bestreben, den Jugendlichen seiner Region die Tür zur Musik zu öffnen. Auf Anraten seiner Gesangsprofessorin, Annelise Skovmand, sowie von Celina Lis und Maestro Ricardo Yost, entschied er sich für einen künstlerischen Werdegang als Countertenor. 2003 gewann er den viel beachteten Bertelsmann- Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“. Dies war der Beginn seiner internationalen Karriere. So trat er seither bei den Händelfestspielen in Karlsruhe und in Halle, bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, an der Oper Bonn, am Aalto-Theater in Essen, an der Kölner Oper, an der Staatsoper Stuttgart, am Opernhaus Zürich, bei den Innsbrucker Festwochen, an der Oper von Oslo, am Teatro Carlo Felice in Genova, beim Festival della Valle d’Istria in Martina Franca, am Théâtre des Champs-Elysées, am Teatro Colón in Buenos Aires und am Teatro Argentino in La Plata auf. Mit der Titelpartie von Händels Giulio Cesare sorgte er in Zürich, Oslo und Karlsruhe für eine Sensation. Sein US Debüt am Chicago Opera Theatre in der Titelpartie von Giasone von Cavalli wurde 2010 mit Begeisterung empfangen. Franco Fagioli hat mit Dirigenten wie Rinaldo Alessandrini, Alan Curtis, Gabriel Garrido, Nikolaus Harnoncourt, Michael Hofstetter, René Jacobs, Konrad Junghänel, Jos Manuel Quintana, Marc Minkowski, Riccardo Muti und Christophe Rousset zusammengearbeitet. Seine Diskographie umfasst die Titelpartien in Glucks Ezio, Händels Teseo (Carus 83.437) und Händels Berenice. zur Person
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Solist*in - Cembalo
Jörg Halubek
Jörg Halubek (geb. 1977) studierte Orgel, Cembalo, Dirigieren und Musikwissenschaft in Stuttgart, Freiburg, Basel und Tübingen bei Jon Laukvik, Robert Hill und Andrea Marcon. Dem ersten Preis des Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs 2004 in Leipzig (Orgel) folgten zahlreiche Einladungen zu Konzerten in Deutschland, Italien, Schweiz, Österreich, Norwegen, Russland, Japan und Korea. Rundfunkaufnahmen und CD-Einspielungen liegen vor. Er ist künstlerischer Leiter des Stuttgarter Barockensembles Il Gusto Barocco und Dozent für Orgel, Cembalo und Historische Aufführungspraxis an den Staatlichen Hochschulen für Musik in Stuttgart und Karlsruhe. Seit Oktober 2010 unterrichtet er als Universitätsprofessor für Historische Tasteninstrumente an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. zur Person
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Solist*in - Laute
Luca Pianca
Luca Pianca studierte in Mailand und in Salzburg bei Nikolaus Harnoncourt. Seit 1982 arbeitet er mit dem Concentus musicus Wien zusammen. Er ist ferner Mitbegründer des Ensembles Il Giardino Armonico und Partner so bedeutender Künstler wie Ce - cilia Bartoli, Eva Mei, Christoph Prégardien, Viktoria Mullova und Albrecht Mayer. Er hat sämtliche Werke für Laute von Bach und Vivaldi aufgenommen und mehr als fünfzig CDs mit barocker Kammer - musik eingespielt. Er tritt regelmäßig bei den Festivals in Salzburg, Luzern und Schleswig-Holstein auf und arbeitet am Zürcher Opernhaus ebenso wie am Theater an der Wien. Auch Sir Simon Rattle und Riccardo Muti haben ihn zur Mitwirkung bei Oratorienaufführungen eingeladen. Seit 2008 ist Luca Pianca künstlerischer Leiter des Zyklus’ JSB Bach- Kantaten am Wiener Konzerthaus. zur Person
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Solist*in - Violoncello
Marco Frezzato
Marco Frezzato studierte Violoncello bei Mario Brunello, Antonio Meneses und Amedeo Baldovino und Kammermusik beim Trio di Trieste und bei Maureen Jones an der Accademia Chigiana di Siena und an der Scuola di Musica di Fiesole. Schon früh begann er auf historischen Instrumenten zu spielen und vervollständigte seine Ausbildung am Barockcello bei Gaetano Nasillo und Christophe Coin an der Scuola Civica in Mailand, die er 2003 mit Auszeichnung abschloss. Seit 2002 ist er Erster Cellist des von Ottavio Dantone geleiteten Ensembles Accademia Bizantina. Marco Frezzato wirkte bei zahlreichen CD- und Rundfunkproduktionen mit und ist Gast bei vielen wichtigen Festivals in Europa und Amerika. Dabei arbeitete er mit Musikern, wie Christophe Coin, Andreas Scholl, Sandrine Piau, Emma Kirkby, Bernarda Fink, Roberta Invernizzi, Sonia Prina, Georg Nigel, Maria Christina Kiehr, Giovanni Antonini, Sergio Azzolini, Vittorio Ghielmi, Enrico Onofri, Guido Morini und u. a. den Ensembles Il Giardino Armonico, Ensemble Accordone, Ensemble Claudiana und Ars Musica Zürich zusammen. Außerdem ist er Mitglied des Alea Ensembles, das klassische und romantische Kammermusik auf historischen Instrumenten spielt. zur Person
Rezensionen
[...] Fagioli’s new recital disc, inconspicuously titled Canzone e Cantate, heralds the arrival of a world-class artist. This is an instant classic a must-have. [...]
(Oliver Camacho, The Countertenor Voice, März 2011)
[...] Die Freude daran, einen ganzen Kosmos zu gestalten, strahlt aus jeder Note und macht den Zauber dieser Aufnahme aus. Fagiolis Stimme klingt unbekümmert und ungeschliffen im positivsten Sinne. Das Bonbon dieser Aufnahme ist zugleich eine Empfehlung ins nächste Fach: Seine Variationen von Paisiellos „Nel cor più non mi sento” sind vollmundig und süß, rührend und ehrlich und mit Grund zur Vorfreude auf eine glanzvolle Weiterentwicklung.
(Julia Kaiser, Fono Forum 12/10)
[...] Es gelingt [Fagioli], seiner Stimme ungeahnte Lieblichkeit zu entlocken, bekrönt von einem wunderschönen Schlusston. [...]
(Das Opernglas, Dezember 2010)
[...] Haben Scholl mit dem Konzern Universal und Jaroussky mit Virgin mächtige PR-Partner im Rücken, muss sich der Argentinier Franco Fagioli auf die im Vergleich kleine Firma Carus verlassen. Was nicht weiter schlimm ist, verfügt der 29-Jährige doch über den eigentümlichsten, aufreizendsten Counter-Klang der vier. Die gutturale Tongebung mag bei Gesangslehrern Stirnrunzeln verursachen. Das schnelle Vibrato, die geerdeten Töne, der feine Witz des Vortrags machen die „Canzone e Cantate” aber zum Hörgenuss. Von sommerlichen Liebeswonnen singt Fagioli, lässt lustvoll das „Als ob” durchblitzen - und klingt in schnellen Nummern wie ein männliches Ebenbild der Bartoli. [...]
(merkur-online, 22.11.2010)
Mit der Titelpartie in Händels "Giulio Cesare" in Zürich, Oslo und Karlsruhe sorgte Franco Fagioli für eine Sensation! Jetzt stellt der aus Argentinien stammende Countertenor seine erste Solo-CD vor. Mit Canzonen und Kantaten von Frescobaldi bis Antonio Vivaldi sowie aus Händels italienischer Zeit vermittelt er darauf ein lebendiges Bild der Musikkultur des 16. und 17. Jahrhunderts.
(MDR Figaro, Sendung Take five (CD-Tipps der Woche), 22.11.2010)
[...] Auch andere Angebote sind verlockend – aber er wählt sehr sorgfältig aus, für was seine Stimme wann bereit ist. Das ist das eigentlich Erstaunliche. Franco Fagioli verliert nie den Überblick. Und das merkt man auch seiner herzerwärmenden und zugleich sorgfältig gesetzten ersten CD an. [...] In jedem Satz wird deutlich, warum die Kritiker sich überschlagen vor Begeisterung für den 28jährigen Argentinier. Seine Spielfreude auf der Bühne spiegelt sich in den raschen Stimmungswechseln, die er auszudrücken vermag. [...] Die Paisiello-Arie ist das exquisiteste Schmuckstück auf Fagiolis Debüt-Album. Sie steht allerdings zwischen so raffiniert interpretierten Barock-Schätzen, dass man die CD am besten gleich mehrfach hört um alle Nuancen auszukosten.
(WDR3, Sendung Tonart, 2.11.2010)