Georg Friedrich Händel: Teseo
Oper in fünf Akten HWV 9, 1713
Händels dritte Londoner Oper Teseo (1713) sollte nach dem triumphalen Erfolg des Rinaldo dem englischen Publikum die noch ungewohnte Gattung Oper weiter schmackhaft machen. Tatsächlich gelang es Händel an den Erfolg des Rinaldo anzuknüpfen, weist das Werk doch ebenfalls zahlreiche Bühneneffekte und eine Fülle an musikalischen Einfällen auf. Dabei ist Teseo in verschiedener Hinsicht ein Ausnahmewerk, denn das italienische Libretto von Nicola Haym basiert auf einer französischen Vorlage und behält daher die in Frankreich übliche Fünfaktigkeit bei. Und auch Händel beweist, dass er sich offenbar intensiver mit der französischen Operntradition auseinandergesetzt hat: Mehr als üblich finden sich hier Formen, die nicht in das übliche Schema von Secco-Rezitativ und Da-Capo-Arie passen. Allein für die Rolle der Medea komponierte Händel mehrere Accompagnato-Rezitative und Arien, die zwar oberflächlich der Da-Capo-Form folgen, aber wie zum Beispiel in „Morirò, ma vendicata“ aus dem 5. Akt mit abruptem Wechsel zwischen düsterem Klageton und wildem Zornesausbruch im A-Teil die Regel der Arienkomposition außer Acht lassen. Zahlreiche Duette sowie ein Chor verweisen musikalisch ebenfalls auf die französische Tradition. Die vorliegende CD-Einspielung basiert auf einem Live-Mitschnitt der vielbeachteten Produktion an der Stuttgarter Staatsoper unter Konrad Junghänel.
Pressestimmen zur Stuttgarter Produktion:
Und so sensibel und zugleich schwungvoll wie von Konrad Junghänel am Dirigentenpult muss die Maschinerie des Händeltheaters angetrieben werden; so ausgefeilt brillant und abgetönt bis in die leisesten Stimmungen muss man die Prachtarien um den griechischen Demokratenhelden Theseus singen. Unter notabene, drei formidablen Contratenören ragte der in den letzten Jahren ungemein gereifte Argentinier Franco Fagioli in der Titelrolle ebenso hervor wie die junge, betörend timbrierende Sopranistin Jutta Böhnert als seine standhafte Geliebte Agileia. Erst in der mustergültigen Stuttgarter Produktion passte alles zu einer historisch untermauerten und gleichzeitig zeitgemäßen Barockoper zusammen.
FAZ, 30. Mai 2009
„Konrad Junghänel ist ein Sensualist, der dem Stuttgarter Staatsorchester einen bemerkenswerten feinen und federnden Ton abgewinnt.
DIE ZEIT, 10. Juni 2009
„Eine Oper mit drei großen Countertenor-Partien angemessen zu besetzen, gelang beispielhaft. Franco Fagioli (Teseo), Kai Wessel (Teseos Vater und Kontrahent) und Matthias Rexroth (Arcane): Besser gehts kaum. Zauberin Medea kommt auch vor, Händel schrieb für sie die interessanteste, weil gebrochenste Musik: Die grandiose Darstellungskraft von Helene Schneiderman machte die Medea zur Hauptfigur. Und dann das Staatsorchester unter dem Alte-Musik-Spezialisten Konrad Junghänel: einen so knackigen, federnden Klang gab es hier länger nicht."
Die Welt
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Zusatzinformationen zum Werk
Inhaltsverzeichnis
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Komponist*in
Georg Friedrich Händel
| 1685-1759Georg Friedrich Händel stellte früh seine außergewöhnlich universellen kompositorischen Fähigkeiten unter Beweis. Nachdem er 1712 nach London übergesiedelt war, schuf er dort – 1723 zum Composer of Musick for His Majesty’s Chapel Royal ernannt – zahlreiche Meisterwerke für den Königshof sowie seine großen Opere Serie: Über Jahre feierte er mit den von Ausnahme-Interpreten gesungenen Opern oder mit Serenaden, später auch mit Oratorien wie „Saul“ oder „Israel in Egypt“, triumphale Erfolge. Im Laufe der Jahre wuchs Händels Ruhm weit über seinen Wirkungsort hinaus; einige seiner Chorwerke, vor allem der „Messiah“, verfügen über eine bis heute ungebrochene Aufführungstradition und werden von Chören auf der ganzen Welt gesungen. zur Person
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Textdichter*in
Nicola Haym
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Vorwortverfasser*in
Silke Leopold
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Ensemble
Staatsorchester Stuttgart
Das Staatsorchester Stuttgart zählt mit seiner über 400-jährigen Geschichte zu den ältesten und traditionsreichsten Klangkörpern Deutschlands. 1589 als Württembergische Hofkapelle zum ersten Mal urkundlich erwähnt, zeichnet sich seine lange Geschichte durch eine Vielzahl berühmter Musiker wie Leonhard Lechner, Niccolò Jommelli, Konradin Kreutzer, Johann Nepomuk Hummel und Carl Maria von Weber aus, die Mitglieder des Orchesters oder Kapellmeister waren. Unter Peter von Lindpaintner wurde es im 19. Jahrhundert zu den besten Klangkörpern Europas gerechnet. Im 20. Jahrhundert prägten Fritz Busch, Franz Konwitschny, Hans Swarowski und nach 1945 besonders der langjährige Generalmusikdirektor Ferdinand Leitner das Orchester. Carlos Kleiber, Vaclav Neumann, Silvio Varviso, Janos Kulka, Dennis Russell Davies, Garcia Navarro, Gabriele Ferro und Lothar Zagrosek waren ihm als Musikdirektoren oder Kapellmeister verbunden. Gastdirigenten waren u.a. Sir Georg Solti, Carlo Maria Giulini und Riccardo Chailly. Seit September 2007 steht der Österreicher Manfred Honeck an der Spitze des Orchesters und leitet jede Saison zwei Opernpremieren und vier der insgesamt sieben Konzertprogramme. Bruckner, Mahler, Beethoven und Tschaikowski bilden ebenso wie Werke des 20. und 21. Jahrhunderts Schwerpunkte seines Repertoires. In einer Kammerkonzertreihe gestalten Mitglieder des Orchesters, zum Teil in Zusammenarbeit mit Sängern des Opernensembles, abwechslungsreiche, unkonventionelle Programme, die auch selten gespieltes Repertoire präsentieren. zur Person
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Dirigent*in
Konrad Junghänel
Konrad Junghänel zählt international zu den bekanntesten Lautenisten und führenden Interpreten der Lautenwerke Bachs und Silvius Leopold Weiss’. Für seine Aufnahme mit Solowerken von Weiss wurde er mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Konrad Junghänel ist als Solist und Kammermusiker in ganz Europa, den USA, Japan, Australien, Südamerika und Afrika aufgetreten und arbeitet regelmäßig mit René Jacobs sowie den Ensembles Les Arts Florissants, La Petite Bande und Musica Antiqua Köln zusammen. 1987 gründete er das von ihm geleitete Vokalensemble Cantus Cölln. In jüngerer Zeit tritt Konrad Junghänel vermehrt als Dirigent szenischer Produktionen auf, so leitete er u.a. „Combattimenti“ mit Madrigalen von Monteverdi in Amsterdam und Brüssel, Cavallis La Calisto in Köln und Mazzocchis La catena d’Adone in Innsbruck und Antwerpen. Am Theater Basel dirigierte er Wie liegt die Stadt so wüste, die voll Volkes war mit Musik von Heinrich Schütz sowie das Händel-Oratorium Israel in Egypt, Händels Semele, Monteverdis L’incoronazione di Poppea, die szenische Produktion von Bach-Kantaten Ein geistliches Bankett in Hamburg, Purcells Hail! Bright Cecilia in Hannover, Poro, Rè dell’Indie bei den Göttinger Händelfestspielen, Così fan tutte und Die Entführung aus dem Serail in Potsdam. Außerdem Lucio Silla in Stuttgart, die Florentiner Intermedien sowie Händels Agrippina in Saarbrücken und Armida in Berlin. In Köln bereitet Konrad Junghänel derzeit mit Orpheus und Eurydike eine weitere Gluck-Produktion vor. zur Person
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Sopran-Solo
Helene Schneiderman
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Sopran-Solo
Jutta Böhnert
Nach ihrem Studium führten Engagements Jutta Böhnert nach München, Hannover, Düsseldorf, Salzburg, Berlin sowie mit großem Erfolg nach Göttingen als Cleofide in Poro. Sie sang Gilda in Rigoletto, Belinda in Dido und Aeneas und debütierte als Fiordiligi in Così fan tutte unter Konrad Junghänel bei der Potsdamer Winteroper. Im Konzertbereich gastierte sie u.a. mit dem Gewandhausorchester und trat in der Kölner Philharmonie sowie bei den Händel-Festspielen in Halle auf. Sie arbeitete mit namhaften Dirigenten wie Arman, Boulez, Fischer, Paternostro, Reuss, Rilling, Gatti und sang unter Lothar Zagrosek in Glucks Paride ed Elena am Berliner Konzerthaus und in Brahms’ Ein deutsches Requiem mit dem West Australian Symphony Orchestra in Perth. zur Person
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Sopran-Solo
Olga Polyakova
Die Russin Olga Polyakova war Mitglied des Zürcher Opernstudios. Bereits als 19-Jährige debütierte sie mit Bach-Kantaten, im Konzertbereich folgten Beethovens Missa Solemnis, Bruckners Te Deum, Mozarts Exsultate Jubilate und Purcells King Arthur. Zu ihrem Repertoire gehören Adina in L’elisir d’amore, Lucy in Menottis Telephon, Mrs. Wordsworth und Emmy in Albert Herring, Zerlina in Don Giovanni, Blonde in Die Entführung aus dem Serail, Arminda und Sandrina in Die Gärtnerin aus Liebe, Cunigonde in Candide, die Königin von Schemacha in Der goldene Hahn, Gilda in Rigoletto, Olympia in Hoffmanns Erzählungen, Adele in Die Fledermaus, Violetta in La traviata sowie die Königin der Nacht in Die Zauberflöte. zur Person
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Countertenor-Solo
Kai Wessel
Der Countertenor Kai Wessel studierte Musiktheorie (R. Ploeger), Komposition (F. Döhl) und Gesang (Ute von Garczynski) an der Musikhochschule Lübeck, sowie barocke Aufführungspraxis an der Schola Cantorum Basiliensis bei René Jacobs. Er gehört zu den führenden Vertretern seines Fachs, mehrfach ausgezeichnet, eingeladen von Orchestern und Dirigenten in aller Welt, dokumentiert durch Rundfunk-, Fernsehund über 90 CD-Aufnahmen. Operngastspiele führten ihn an zahlreiche Opernhäuser, u.a. in Barcelona, Nizza, Hamburg, München, Berlin, Dresden, Stuttgart und Basel. Kai Wessel ist Professor an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und lehrt an der Hochschule der Künste Bern. zur Person
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Countertenor-Solo
Matthias Rexroth
Matthias Rexroth studierte in Karlsruhe und an der Schola Cantorum Basiliensis. Als einziger Altus gewann er den Francesco-Viñas-Wettbewerb Barcelona und den Hans-Gabor-Belvedere-Wettbewerb Wien. Sein Operndebüt gab er in Stuttgart mit Purcells King Arthur. Zu seinen Engagements gehören u.a. die Titelpartien in Admeto bei den Händel-Festspielen Halle, in Giulio Cesare an der Oper Oslo, in Der geduldige Sokrates unter René Jacobs in Berlin und bei den Innsbrucker Festwochen sowie in Ezio bei der Düsseldorfer Hofmusik. Als Konzertsänger arbeitete Rexroth u.a. unter Harnoncourt, Muti, Luisi, Luisotti, Rilling sowie 2000 als Solist in der weltweiten TV- und Rundfunkübertragung der h-Moll-Messe mit dem Gewandhausorchester Leipzig. zur Person
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Countertenor-Solo
Franco Fagioli
Franco Fagioli wurde 1981 in San Miguel de Tucumán (Argentinien) geboren. Er begann zunächst ein Klavierstudium am Musikinstitut seiner Heimatstadt und studierte dann Gesang an der Kunstakademie des Teatro Colón in Buenos Aires. 1997 gründete er den Chor von San Martín de Porres mit dem Bestreben, den Jugendlichen seiner Region die Tür zur Musik zu öffnen. Auf Anraten seiner Gesangsprofessorin, Annelise Skovmand, sowie von Celina Lis und Maestro Ricardo Yost, entschied er sich für einen künstlerischen Werdegang als Countertenor. 2003 gewann er den viel beachteten Bertelsmann- Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“. Dies war der Beginn seiner internationalen Karriere. So trat er seither bei den Händelfestspielen in Karlsruhe und in Halle, bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, an der Oper Bonn, am Aalto-Theater in Essen, an der Kölner Oper, an der Staatsoper Stuttgart, am Opernhaus Zürich, bei den Innsbrucker Festwochen, an der Oper von Oslo, am Teatro Carlo Felice in Genova, beim Festival della Valle d’Istria in Martina Franca, am Théâtre des Champs-Elysées, am Teatro Colón in Buenos Aires und am Teatro Argentino in La Plata auf. Mit der Titelpartie von Händels Giulio Cesare sorgte er in Zürich, Oslo und Karlsruhe für eine Sensation. Sein US Debüt am Chicago Opera Theatre in der Titelpartie von Giasone von Cavalli wurde 2010 mit Begeisterung empfangen. Franco Fagioli hat mit Dirigenten wie Rinaldo Alessandrini, Alan Curtis, Gabriel Garrido, Nikolaus Harnoncourt, Michael Hofstetter, René Jacobs, Konrad Junghänel, Jos Manuel Quintana, Marc Minkowski, Riccardo Muti und Christophe Rousset zusammengearbeitet. Seine Diskographie umfasst die Titelpartien in Glucks Ezio, Händels Teseo (Carus 83.437) und Händels Berenice. zur Person