Henri Duparc / Denis Rouger (arr.): La vie antèrieure - Noten | Carus-Verlag

Henri Duparc / Denis Rouger (arr.) La vie antèrieure

Arrangement von Denis Rouger

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Beinahe überbordend lyrisch muten die harmonischen Wendungen und Klavierfigurationen in La vie antérieure, dem „früheren Leben“ an. Zu Beginn wird in den archaischen Klängen und Worten des Männerchores eine Traumwelt beschworen, die bald von der Kraft der Wellen und der reichhaltigen polyphonen Harmonie des Chores und des Klaviers überschwemmt wird. Mit dem Aufschrei „C’est là que j’ai vécu!“ – „Dort habe ich gelebt!“, der das so sehnliche Verlangen der Rückkehr in das vergangene Leben ausdrückt, verstärkt das Kollektiv verzweifelt die Sehnsucht nach der Vergangenheit. Der Frauenchor erscheint in wogendem weichem Klang dieses verlorene Paradies, ehe die trostlose Traurigkeit für einen ganz vergegenwärtigten Moment durch die Kraft der Musik des Klaviernachspiels durchbrochen wird. 

Das vorliegende Kunstlied wurde ursprünglich nicht für Kammerchor, sondern für eine Solostimme und Klavier geschaffen. Denis Rouger hat es behutsam den Bedürfnissen und Ausdrucksmöglichkeiten eines größeren Ensembles angepasst, ohne dabei die Qualitäten des Originals zu verleugnen. Jede Stimme im Chor erhält ihre aus dem harmonischen und rhythmischen Gerüst extrahierte Melodielinie. Dabei verbindet sich die Vielfalt und Raffinesse des chorischen Ausdrucks mit der enormen Flexibilität in Gestaltung und Ausdruck, wie sie die französischen Mélodies oder das deutsche Kunstlied von einem Solisten und dem Klavierpart fordern.

Das Lied wurde eingesungen vom figure humaine kammerchor auf der CD Kennst du das Land... (Carus 83.495/00).

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  • J’ai longtemps habité sous de vastes portiques
    Que les soleils marins teignaient de mille feux,
    Et que leurs grands piliers droits et majestueux,
    Rendaient pareils, le soir, aux grottes basaltiques.

    Les houles en roulant les images des cieux,
    Mêlaient d’une façon solennelle et mystique,
    Les tout-puissants accords de leur riche musique
    Aux couleurs du couchant reflété par mes yeux.

    C’est là, c’est là que j’ai vécu dans les voluptés calmes,
    Au milieu de l’azur, des vagues, des splendeurs
    Et des esclaves nus tout imprégnés d’odeurs,
    Qui me rafraîchissaient le front avec des palmes,
    Et dont l’unique soin était d’approfondir
    Le secret douloureux qui me faisait languir.

    Charles Baudelaire (1821–1867)

    ...

  • Ich wohnte lange in weiten Säulenhallen,
    die von der Meeressonne in tausend Lichter getaucht wurden,
    und deren große majestätische Pfeiler
    sie abends basaltenen Grotten gleichen ließen.

    Die Wellen vermischten, indem sie die Himmelsabbilder hin und her rollten,
    auf feierliche und mystische Art
    die übermächtigen Akkorde ihrer reichen Musik
    mit den Farben des von meinen Augen reflektierten Sonnenuntergangs.

    Dort, dort habe ich in ruhiger Wonne gelebt,
    inmitten des Azurblaus, der Wellen,
    der Pracht und der nackten Sklaven voller Gerüche,
    die mir die Stirne mit Palmwedeln kühlten,
    und deren einzige Sorge darin bestand,
    das schmerzvolle Geheimnis zu vertiefen, das mich schmachten ließ.

    Charles Baudelaire (1821–1867)
    Übersetzung: Christiane Rouger-Ortwein

    ...

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Zusatzinformationen zum Werk
  • Denis Rouger hat seine musikalischen Erfahrungen zunächst als Sohn einer Pariser Musikerfamilie und bei seinem Studium am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris gesammelt, wobei er erste Preise in Harmonie, Fuge und Kontrapunkt erhielt.

    20 Jahre lang war er Dozent und Chorleiter an der Universität Paris-Sorbonne und 10 Jahre Chorleiter an der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Er ist Ehrenkapellmeister der Pariser Kirche La Madeleine. Auch in Deutschland hat er Kontakt zu zahlreichen Ensembles. So wurde er als Gastdirigent u.a. von Rundfunkchören, dem Balthasar-Neumann-Chor, dem Landesjugendchor Baden-Württemberg, sowie zu den Stuttgarter Philharmonikern eingeladen. Konzerte führten ihn nach Italien, Kanada, Russland, in die Niederlande, die Vereinigten Arabischen Emirate und in die Schweiz (Lucerne Festival).

    Er gibt Meisterkurse in Schweden, Bulgarien, Frankreich, Deutschland sowie in der Schweiz.

    Seit 2011 ist Denis Rouger Professor für Chordirigieren an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Der von ihm im Herbst 2011 gegründete Kammerchor der Musikhochschule gewann 2014 den Ersten Preis beim Internationalen Chorwettbewerb in Mosbach (Deutschland).

    Neben seiner Arbeit als Chorleiter komponiert Rouger und bearbeitet französisches sowie deutsches Liedgut für Chor. Seine Bearbeitungen auf den CDs Kennst Du das Land ... und ... wo die Zitronen blühn (Carus) fanden bei Presse und Rundfunk regen Anklang. In Zusammenarbeit mit dem Carus-Verlag hat er das Chorbuch Französische Chormusik, das 2019 den Deutschen Musikeditionspreis „Best Edition“ erhalten hat, herausgegeben.

    2016 gründete Denis Rouger den figure humaine kammerchor (www.figurehumaine.de), mit dem er regelmäßig Konzerte bei namhaften Festivals gibt.

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