„Er war ohne Widerrede unser größter Kirchenkomponist“, so schrieb der Lexikograph E. L. Gerber wenige Jahre nach Homilius’ Tod 1785. Als langjähriger Kreuzkantor hatte der Bach-Schüler Homilius aufgrund der Zerstörung der Kreuzkirche seine Hauptwirkungsstätte an der Dresdner Frauenkirche.
Die Passionskantate war im 18. und frühen 19. Jahrhundert sehr beliebt und weit verbreitet: Ihre Bekanntheit verdankte sie auch dem Umstand, dass sie 1775 bei Breitkopf in voller Partitur gedruckt wurde – eine seltene Ehre, die im 18. Jahrhundert nur noch einer weiteren Passion zuteil geworden war (Grauns Tod Jesu). Ihr Text schildert das Passionsgeschehen aus sehr persönlicher Sicht: Der Fokus liegt weniger auf dem Geschehen selbst, als vielmehr auf den Gefühlen des Betrachters. Diese subjektive, betroffene Erzählweise spiegelt sich in einem sehr dramatisch geprägten Rezitativstil wider, der einen reizvollen Kontrast zum expressiven Chorstil und den stark melodiegeprägten Arien darstellt.
Die Passionskantate kann jetzt durch die Veröffentlichung auf SACD/CD wiederentdeckt werden – in einer exzellenten Interpretation mit international renommierten Solist*innen, den Basler Madrigalisten und der Neuen Düsseldorfer Hofmusik unter der Leitung von Fritz Näf.
Inhaltsverzeichnis
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Komponist*in
Gottfried August Homilius
| 1714-1785Gottfried August Homilius wurde am 2. Februar 1714 in Rosenthal (Sachsen) als Sohn eines Pastors geboren. Im Mai 1735 wurde er als Jura-Student an der Universität Leipzig immatrikuliert. Die durch Johann Adam Hiller bezeugte Schülerschaft bei Johann Sebastian Bach dürfte in diese Zeit fallen. Außer zu Bach bestand Kontakt zu dem Bachschüler und Nicolai-Organisten Johann Schneider, dessen Aufgaben Homilius vertretungsweise übernahm. Nach einer erfolglosen Bewerbung auf eine Organistenstelle in Bautzen erhielt Homilius 1742 eine Anstellung als Organist an der Dresdner Frauenkirche. 1755 trat er schließlich die Nachfolge Theodor Christlieb Reinholds als Kreuzkantor und Musikdirektor der drei Dresdner Hauptkirchen an, ein Amt, das er bis zu seinem Tod am 2. Juni 1785 inne hatte. zur Person
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Textdichter*in
Ernst August Buschmann
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Vorwortverfasser*in
Uwe Wolf
| 1961Dr. Uwe Wolf ist als Musikwissenschaftler vor allem im 17. und 18. Jahrhundert zuhause. Seine Arbeitsschwerpunkte reichen von der Zeit Monteverdis und Schütz über Bach und die Generation der Bach-Söhne und -Schüler bis hin zur Wiener Klassik. Seit Oktober 2011 leitet er das Lektorat des Carus-Verlags. Zuvor war er über 20 Jahre in der Bach-Forschung tätig. zur Person
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Ensemble
Neue Düsseldorfer Hofmusik
Stilsicher, souverän und im wahrsten Sinne des Wortes tonangebend in der Alte-Musik-Szene – mit diesen Etiketten hat die Fachwelt das Ensemble Neue Düsseldorfer Hofmusik belegt, nicht zuletzt durch die Verleihung des Klassik-Preises „Echo 2002“. Der Name des Ensembles ist nicht nur Hinweis auf den Gründungsort, sondern auch auf das Ziel, das reiche musikalische Erbe der pfälzischen Herzöge und Kurfürsten, die im 17. und 18. Jahrhundert in Düsseldorf residierten, zu ergründen und zu pflegen. Für das hohe Niveau dieses Unterfangens stehen Interpreten, die sich lange und intensiv mit der historischen Aufführungspraxis beschäftigt und auf Barockmusik spezialisiert haben. Der Wirkungskreis der „Hofmusik“ reicht inzwischen weit über Düsseldorf hinaus – bestreitet das Ensemble doch nicht nur seine eigene erfolgreiche Konzertreihe „Raum & Klang“ im Schloss Benrath, sondern ist auf Konzerttourneen im europäischen Ausland zu hören, gastiert immer wieder bei Alte-Musik-Festivals und wurde von Rundfunkanstalten wie dem WDR und dem Deutschlandfunk für Produktionen verpflichtet. zur Person
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Ensemble
Basler Madrigalisten
Die von Fritz Näf gegründeten Basler Madrigalisten singen in verschiedensten Formationen, solistisch und als klein besetztes Vokalensemble. Das umfangreiche Repertoire reicht von der frühen Renaissance bis zur Neuzeit. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Einstudierung und (Erst-)Aufführung von zeitgenössischen Werken und die Wiederaufführung von Werken aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Die Basler Madrigalisten nahmen an den wichtigsten Musikfestivals der Welt teil. Konzerttourneen führten sie in beinahe alle Länder Europas, nach Russland, in die USA, den Libanon und den Fernen Osten. Die Aufnahmen der Basler Madrigalisten erhielten diverse Auszeichnungen. Sie empfingen mehrfach den Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung und erhielten 1998 den Förderpreis der Europäischen Wirtschaft. Die Basler Madrigalisten werden unterstützt von den beiden Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt, von der Artephila Stiftung und weiteren Stiftungen. zur Person
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Dirigent*in
Fritz Näf
| 1943Fritz Näf studierte Sologesang an den Musikhochschulen Zürich und Freiburg/Breisgau und besuchte Meisterkurse u. a. bei Jenny Tourel und Ernst Haefliger. Als Tenor konzertierte er in den meisten Ländern Europas und bildete sich weiter zum Chor- und Orchesterdirigenten. 1976–1986 unterrichtete er Sologesang und Vokalensemble an der Schola Cantorum Basiliensis, wo er 1978 die Basler Madrigalisten gründete. 1986–2000 war er zuerst Direktor von Musikschule und Konservatorium Winterthur und anschließend Rektor der neu gegründeten Hochschule für Musik und Theater Zürich. Seit Dezember 2000 ist Fritz Näf vollzeitlicher künstlerischer Leiter des 1997 gegründeten Schweizer Kammerchors sowie der Basler Madrigalisten und wirkt weiterhin als Gastdirigent bei verschiedenen Chören und Orchestern. zur Person
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Sopran-Solo
Monika Mauch
Die Sopranistin Monika Mauch studierte Gesang zunächst bei Richard Wistreich am Institut für Alte Musik der Musikhochschule Trossingen und vertiefte anschließend ihre Ausbildung in einem Studienjahr in Paris bei Jill Feldman. Seit Beginn ihrer sängerischen Karriere standen Projekte im Bereich der Alten Musik im Mittelpunkt ihres musikalischen Interesses. So arbeitet sie zusammen mit führenden Ensembles, wie dem Ricercar Ensemble, dem Taverner Consort, mit Red Byrd, dem Hilliard Ensemble, L’arpa festante (München), dem Ensemble Daedalus (Genf), CordArte Ensemble (Köln) und Montreal Baroque. Zahlreiche Rundfunkaufnahmen und CD-Einspielungen dokumentieren das sängerische Schaffen von Monika Mauch. Besondere Beachtung fanden dabei die Aufnahmen des Altbachischen Archivs und der h-Moll-Messe mit Cantus Coelln und die CD „Morimur“ mit dem Hilliard Ensemble. Als Konzertsängerin verbindet Monika Mauch eine regelmäßige Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Roland Wilson, Manfred Cordes, René Jacobs und Philippe Herreweghe. zur Person
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Alt-Solo
Bogna Bartosz
Nach ihrem mit Auszeichnung abgeschlossenen Gesangsstudium in Danzig, vervollkommnete Bogna Bartosz ihre Ausbildung in Berlin bei Ingrid Figur sowie in Meisterkursen von Aribert Reimann, Adele Stolte und Anna Reynolds. 1992 errang Bogna Bartosz beim Internationalen Johann Sebastian Bach-Wettbewerb in Leipzig den 1. Preis und den Sonderpreis des MDR. Seither übt sie eine rege Konzerttätigkeit als Lied- und Konzertsängerin aus, die sie in die wichtigsten Konzertsäle Deutschlands, ins europäische Ausland, nach Israel und die USA führte. Das Repertoire von Bogna Bartosz reicht vom Barock bis zu zeitgenössischer Musik. Sie ist Gast bei renommierten Musikfestivals und konzertiert mit namhaften Dirigenten und Orchestern. Zahlreiche CD- und Rundfunkaufnahmen dokumentieren Bogna Bartoszs künstlerisches Profil. zur Person
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Tenor-Solo
Markus Brutscher
Eine frühe musikalische Ausbildung erfuhr Markus Brutscher bei den Regensburger Domspatzen und den Augsburger Domsingknaben, bevor er in Berlin, London und Maastricht Gesang studierte. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet ihn mit führenden Orchestern in Europa und Amerika sowie herausragenden Dirigenten. Sein weit gefächertes Repertoire umfasst Werke aller musikalischen Epochen vom Frühbarock bis zur Moderne. Eine mehr als 50 Aufnahmen umfassende Diskografie dokumentiert die Vielseitigkeit des Sängers. zur Person
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Bass-Solo
Hans Christoph Begemann
Rezensionen
[...] Das Verdienst der ausführenden Musiker dieser Weltersteinspielung ist es, eine Einspielung voller spannender Affekte auf hohem musikalischem Niveau zustande gebracht zu haben.
Quelle: Singende Kirche 2007/2
[...] Chor und Orchester zeigen sich dabei bestens aufgelegt. Sie singen und spielen mit Engagement und Elan. Dabei werden sie dem Anspruch des Empfindsamen Stils gerecht, durch drastische Effekte den Hörer zu bewegen und zu berühren. Starke hell-dunkel Kontraste und eine hochgradig ausdifferenzierte Dynamik bringen den dramatischen Gehalt des Werkes bestens zum Ausdruck. Manchmal könnte die Sprachverständlichkeit etwas besser sein, wie beispielsweise im Choral 'Ich grüße dich am Kreuzesstamm'. Markus Brutscher singt die Tenorarien mit markiger Stimme und viel Kraft. [...] Bassist Hans Christoph Begemann gelingt mit dem Arioso 'Mir hast du Arbeit gemacht' eines der Glanzstücke der Einspielung. Seine ausdrucksstarke dunkle Stimme bleibt auch in der Tiefe wendig und mischt sich interessant mit den begleitenden Celli und Fagotten. [...]
Christiane Bayer, Quelle: klassik.com, 04.07.2007
Der Bach-Schüler und Kantatenkomponist Homilius schildert das Passionsgeschehen aus sehr persönlicher Sicht: Der Fokus liegt auf den Gefühlen des Zuhörers. Die subjektive Erzählweise spiegelt sich in einem dramatisch geprägten Rezitativstil, der einen reizvollen Kontrast zum expressiven Chorstil und den stark melodiegeprägten Arien darstellt. Die Kantate kann jetzt auf SACD/CD wiederentdeckt werden in einer exzellenten Interpretation mit den Basler Madrigalisten und der Neuen Düsseldorfer Hofmusik unter der Leitung von Fritz Näf.
Quelle: Diakonie magazin 3/2007
[...] This is the first recording ever of this oratorio, and I am very impressed by its quality. The more I hear of Homilius's sacred music, the more I lean towards the view that he must be considered one of the very best composers of religious music in Germany of the generation of the sons of Bach. No wonder that his compositions were widely performed in Germany and beyond. And I am very happy that there is something like a 'Homilius renaissance' going on, as the cover of this disc states. I am also very impressed by the performance. The soloists give a splendid account of themselves and express the content of arias and recitatives very well. The voice of Hans Christoph Begemann does not however appeal to me, and it's a shame that there is a slight tremolo in his voice. But on the whole this does not detract unduly from the value this recording. The Basler Madrigalisten give immaculate performances of the choruses and the chorales. The orchestra is not that well-known yet must be one of the best baroque orchestras around, as is impressively demonstrated in this recording. This recording goes straight to the top of my list of records of the year.
Johan van Veen, Quelle: musicweb-international.com, Sept. 2007