Gabriel Fauré / Denis Rouger (arr.): Prison - Noten | Carus-Verlag

Gabriel Fauré / Denis Rouger (arr.) Prison

Arrangement von Denis Rouger op. 83,1

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555 Tage saß Paul Verlaine 1873–1875 im Gefängnis, weil er in betrunkenem Zustand mit einem Revolver auf seinen Dichterkollegen und Lebensgefährten Arthur Rimbaud geschossen hatte. Zumindest seiner literarischen Karriere kam dieser Aufenthalt, der offenbar die künstlerische Inspiration beförderte, zugute. Die französische Literaturwelt kürte Verlaine gar mit dem inoffiziellen Titel „Prince des Poètes“. Im Gedicht Prison (Gefängnis) kann der Autor also auf ureigene Erfahrungen zurückgreifen: die Eintönigkeit hinter Gittern (musikalisch in der Vertonung Gabriel Faurés ausgedrückt durch den immer wiederkehrenden Zielton h), das innere Aufbäumen gegen die diese eintönige Stille (überraschende forte-Dynamik) und das vorwurfsvolle eigene Fragen: „Was hast du getan? ... Was hast du mit deiner Jugend getan?“ (ersterbendes piano).

Die vorliegenden Kunstlieder wurden ursprünglich nicht für Kammerchor, sondern für eine Solostimme und Klavier geschaffen. Denis Rouger hat sie behutsam den Bedürfnissen und Ausdrucksmöglichkeiten eines größeren Ensembles angepasst, ohne dabei die Qualitäten des Originals zu verleugnen. Jede Stimme im Chor erhält ihre aus dem harmonischen und rhythmischen Gerüst extrahierte Melodielinie. Dabei verbindet sich die Vielfalt und Raffinesse des chorischen Ausdrucks mit der enormen Flexibilität in Gestaltung und Ausdruck, wie sie die französischen Mélodies oder das deutsche Kunstlied von einem Solisten und dem Klavierpart fordern.

Die Lieder wurden eingesungen vom figure humaine kammerchor auf der CD Kennst du das Land... (Carus 83.495/00).

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  • Le ciel est par-dessus le toit, si bleu, si calme,
    Un arbre par-dessus le toit berce sa palme ;
    La cloche, dans le ciel qu’on voit,
    doucement tinte,
    Un oiseau sur l’arbre qu’on voit,
    chante sa plainte.

    Mon Dieu, mon Dieu, la vie est là,
    simple et tranquille !
    Cette paisible rumeur-là vient de la ville.
    Qu’as-tu fait, ô toi que voilà,
    pleurant sans cesse,
    Dis, qu’as-tu fait, toi que voilà,
    de ta jeunesse ?

    Paul Verlaine (1844–1896)


    ...

  • Der Himmel ist über dem Dach so blau, so still,
    Ein Baum über dem Dach wiegt seinen Palmzweig;
    Die Glocke klingt leise in dem Himmel,
    den man sieht,
    Ein Vogel singt seine Klage auf dem Baum,
    den man sieht.

    Mein Gott, mein Gott, das Leben ist da,
    einfach und ruhig!
    Dieses friedliche Gemurmel kommt aus der Stadt.
    Was hast du getan, oh du,
    der du ohne Unterlass weinst,
    Sag, was hast du, der du da bist,
    aus deiner Jugend gemacht?

    Paul Verlaine (1844–1896)
    Übersetzung: Christiane Rouger-Ortwein

    ...

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Zusatzinformationen zum Werk
  • Französischer Komponist, 1845-1924.

    Er war Schüler von Camille Saint-Saëns und studierte an der Pariser Schule für Kirchenmusik. Fauré arbeitete als Organist, Chorleiter und gab Klavierunterricht und Klavierabende in Pariser Salons. Am Klavier konnte er glänzend improvisieren, was sich auch in seinen Kompositionen niederschlägt. 1905-1920 war er Direktor des Pariser Conservatoire.

    Fauré schrieb vor allem Vokal-, Klavier- und Kammermusik. Am bekanntesten sind seine Klavierlieder für Solostimme und sein Requiem, das auch bei seiner eigenen Trauerfeier aufgeführt wurde.

    zur Person
  • Denis Rouger hat seine musikalischen Erfahrungen zunächst als Sohn einer Pariser Musikerfamilie und bei seinem Studium am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris gesammelt, wobei er erste Preise in Harmonie, Fuge und Kontrapunkt erhielt.

    20 Jahre lang war er Dozent und Chorleiter an der Universität Paris-Sorbonne und 10 Jahre Chorleiter an der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Er ist Ehrenkapellmeister der Pariser Kirche La Madeleine. Auch in Deutschland hat er Kontakt zu zahlreichen Ensembles. So wurde er als Gastdirigent u.a. von Rundfunkchören, dem Balthasar-Neumann-Chor, dem Landesjugendchor Baden-Württemberg, sowie zu den Stuttgarter Philharmonikern eingeladen. Konzerte führten ihn nach Italien, Kanada, Russland, in die Niederlande, die Vereinigten Arabischen Emirate und in die Schweiz (Lucerne Festival).

    Er gibt Meisterkurse in Schweden, Bulgarien, Frankreich, Deutschland sowie in der Schweiz.

    Seit 2011 ist Denis Rouger Professor für Chordirigieren an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Der von ihm im Herbst 2011 gegründete Kammerchor der Musikhochschule gewann 2014 den Ersten Preis beim Internationalen Chorwettbewerb in Mosbach (Deutschland).

    Neben seiner Arbeit als Chorleiter komponiert Rouger und bearbeitet französisches sowie deutsches Liedgut für Chor. Seine Bearbeitungen auf den CDs Kennst Du das Land ... und ... wo die Zitronen blühn (Carus) fanden bei Presse und Rundfunk regen Anklang. In Zusammenarbeit mit dem Carus-Verlag hat er das Chorbuch Französische Chormusik, das 2019 den Deutschen Musikeditionspreis „Best Edition“ erhalten hat, herausgegeben.

    2016 gründete Denis Rouger den figure humaine kammerchor (www.figurehumaine.de), mit dem er regelmäßig Konzerte bei namhaften Festivals gibt.

    zur Person

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