Hugo Wolf / Clytus Gottwald (arr.): Drei Lieder - Noten | Carus-Verlag

Hugo Wolf / Clytus Gottwald (arr.) Drei Lieder

Vokaltranskriptionen nach Clytus Gottwald

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Mit großem Erfolg haben sich in den letzten Jahren die anspruchsvollen Arrangements von Clytus Gottwald auf den Chorbühnen der ganzen Welt durchgesetzt. In seinen Chortranskriptionen überträgt Gottwald vokale Satztechniken der Neuen Musik auf traditionelle Kompositionen, wobei er die Strukturen der Werke im äußerst differenzierten Klang ohrenfällig macht.

Hugo Wolfs 53 Lieder nach Gedichten von Eduard Mörike entstanden im Verlaufe der Jahre 1888–1890, fast gleichzeitig mit den Liederzyklen nach Goethe und Eichendorff. Zählt man das Spanische und das Italienische Liederbuch hinzu, so ergibt das eine erstaunliche Liedproduktion, die den Vergleich mit Schubert und Schumann nicht zu scheuen hat.

Drei Mörike-Lieder hat Clytus Gottwald 2013 für Vokalstimmen transkribiert. In „In der Frühe“ münden die verstörten Anfangszeilen in Akkorde, die das tröstliche Läuten der Morgenglocken abbilden. Gottwalds Transkription versucht dies durch ein dem Glocken-Spektrum abgeleitetes Klangfeld zu präzisieren. Das berühmte „Gebet“ nimmt sich einen Choral zum Vorbild. Aber das „holde Bescheiden“, das sich Mörike erbittet, konterkariert Wolf mit einer gar nicht bescheidenen Reminiszenz an Isoldes Liebestod. Im dritten Lied „Um Mitternacht“ malt Wolf eine dunkle Welt, in der die Dissonanzen milde verschwimmen.

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  • Unbenanntes Dokument In der Frühe

    Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir,
    dort gehet schon der Tag herfür
    an meinem Kammerfenster.
    Es wühlet mein verstörter Sinn
    noch zwischen Zweifeln her und hin
    und schaffet Nachtgespenster. –
    Ängste, quäle
    dich nicht länger, meine Seele!
    Freu’ dich! schon sind da und dorten
    Morgenglocken wach geworden.

    Gebet

    Herr! schicke, was du willt,

    ...

  • Unbenanntes Dokument Early Morning

    No sleep still cools my eyes,
    the day already steals upon us
    outside my bedroom window.
    My troubled mind still rummages
    back and forth between my doubts,
    and conjures ghosts of the night. –
    Frighten, torment yourself no more,
    my soul!
    Be happy! Already morning bells
    are waking here and there.

    Prayer

    Lord, send what you will,

    ...

  • Unbenanntes Dokument Au matin

    Aucun sommeil ne vient apaiser ma paupière,
    et le jour perce déjà
    à ma fenêtre.
    Mon esprit troublé est encore
    tout agité de doutes peuplés
    de spectres et de fantômes.
    Cesse de t’angoisser et
    de te torturer, mon âme !
    Réjouis-toi ! Les matines s’éveillent
    déjà ici et là.

    Prière

    Seigneur ! Envoie ce que tu veux,

    ...

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  • Der Chordirigent, Komponist und Musikwissenschaftler Clytus Gottwald (1925 – 2023) hat für die zeitgenössische Chormusik wesentliche Beiträge geleistet. Als Redakteur für Neue Musik beim Südfunk Stuttgart sowie Gründer und Leiter der Schola Cantorum Stuttgart stand er in produktivem Austausch mit seinen die Neue Musik begründenden Zeitgenossen Pierre Boulez, Mauricio Kagel, György Ligeti, Luigi Nono, Karlheinz Stockhausen und vielen anderen. Gottwald prägte mit seiner Schola Cantorum, einem 16-stimmigen Kammervokalensemble, maßgeblich die heute selbstverständlich gewordene A-cappella-Chorkultur auf höchstem technischem Niveau. Seine Transkriptionen von Klavierliedern oder Instrumentalstücken für vielstimmigen Chor a cappella, die in ihrer an Ligeti geschulten Satzweise höchste musikalische Ansprüche stellen, werden von Chören auf der ganzen Welt geschätzt. Clytus Gottwald wurde für seine Verdienste mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Kulturpreis Baden-Württemberg 2009, dem Preis der Europäischen Kirchenmusik 2012 und dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 2014. Seine Bedeutung für die Entwicklung der zeitgenössischen Chormusik kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. zur Person

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