«dolcificare a piacere» – «r.e.c.»
for violoncello solo, woman voice, english horn and piano 1997
Seit einiger Zeit beschäftigt mich das Umwandeln von zufällig
vorgefundenem Material. Vor allem ist es Text, der vermessen wird und so in Zahlen ausgedrückt werden kann. Diese dienen sowohl der Herstellung von Zeitstrukturen als auch der Tonhöhen und Rhythmen, können sie doch, in ihrer Abstraktheit, verschiedenste Parameter kodieren: als Sekundenangabe, als Hertzzahl, als Dichtezahl und vieles mehr.
Die Struktur von « dolcificare a piacere » - « r.e.c. » wird gebildet von zwei Gebrauchssätzen , der eine aus einem Teebereitungsrezept (dolcificare a piacere , süssen nach Belieben), der zweite eine Anweisung, die gebrauchte PET-Flasche eines französischen Mineralwassers möglichst abfallarm, das heisst zusammengepresst, zu entsorgen ( réduction d'emballage par compression ). Den Buchstaben beider Sätze werden die Nummern ihrer Stelle im Alphabet zugeordnet (a=1, b=2 usw.) und diese Zahlen in Sekunden, also in Zeit und Strukturabstände umgewandelt (a = 1 Sekunde, b = 2 Sekunden usw.). Die Struktur des zweiten Satzes wirkt sich komprimierend aus: die Tonumfänge der einzelnen Instrumente werden nach und nach kleiner, bis sich alle um den Zentralton h (247Hz) bewegen.
Sämtliche Spielarten der Instrumente richten sich wiederum nach der Art der Buchstaben - so entspricht zum Beispiel, sehr direkt, ein d dem kurzen und unbetonten Ton, ein r dem Tremolo, a dem ponticello - was einer dreischichtigen Interpretation der Buchstaben gleichkommt: 1. s wie slap; der Buchstabe als Initiale der Spielbezeichnung; 2. p wie/als pizzicato; Initiale und Laut; 3. j als glissando, der Lautcharakter allein bestimmt die Spielart.
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Walter Feldmann
| 1965Walter Feldmann is a Swiss composer and flutist. His meticulous compositions are known for their relation to literature and text. Literature and music thus interpenetrate in all his activities. www.walterfeldmann.com Personal details